Plattfüße erkennen und behandeln

Barfuß auf hellem Boden mit deutlich abgeflachtem Längsgewölbe als Zeichen eines Plattfußes

Plattfüße erkennen und behandeln

Von Plattfüßen spricht man, wenn das Längsgewölbe des Fußes abgeflacht ist und die Sohle beim Stehen fast vollständig auf dem Boden aufliegt. Bei vielen Menschen bereitet das keinerlei Beschwerden und schränkt sie im Alltag nicht ein. Machen sich aber Schmerzen, schnelle Ermüdung oder Fehlstellungen bemerkbar, helfen gezielte Übungen, gutes Schuhwerk und stützende Einlagen, um den Fuß zu entlasten.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Plattfüße mit einem einfachen Test erkennen, welche Beschwerden sie verursachen können, warum sie entstehen und mit welchen Übungen und Hilfsmitteln Sie gegensteuern.

Was sind Plattfüße?

Ein Plattfuß ist ein Fuß, dessen inneres Längsgewölbe abgesunken ist, sodass die Fußsohle beim Stehen flach oder fast flach aufliegt. Das Fußgewölbe wirkt normalerweise wie eine Feder, die Stöße dämpft und das Körpergewicht verteilt. Ist es abgeflacht, verändert sich die Belastung von Fuß, Knie und Hüfte.

Der britische Gesundheitsdienst NHS beschreibt Plattfüße schlicht als Füße, „die flach auf dem Boden aufliegen“, und stellt zugleich klar: „Plattfüße verursachen normalerweise keine Probleme“ und „sollten Sie nicht davon abhalten, Aktivitäten einschließlich Sport auszuüben“. Plattfüße sind also zunächst eine Variante des normalen Fußbaus und keine Krankheit. Wie das Fußgewölbe genau als Stoßdämpfer arbeitet, erklären wir im Ratgeber zur Stoßdämpfung im Fuß.

Wie erkennt man Plattfüße?

Plattfüße erkennt man am flachen oder fehlenden Fußgewölbe, wenn man steht. Ein einfacher Selbsttest ist der nasse Fußabdruck: Feuchten Sie die Fußsohle an und treten Sie auf einen trockenen Untergrund. Ein normaler Fuß hinterlässt an der Innenseite eine deutliche Aussparung, ein Plattfuß einen nahezu vollständigen Abdruck der ganzen Sohle.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen flexibel und starr. Bei einem flexiblen Plattfuß taucht das Gewölbe wieder auf, sobald man sich auf die Zehenspitzen stellt oder den Fuß entlastet. Die Fachleute von OrthoInfo beschreiben genau das: „Wenn ein Kind mit flexiblem Plattfuß steht, verschwindet das Fußgewölbe. Wenn das Kind sitzt oder auf den Zehenspitzen steht, kehrt das Gewölbe zurück.“ Ein starrer Plattfuß dagegen bleibt in jeder Position flach und gehört ärztlich abgeklärt.

Infografik vergleicht die nassen Fußabdrücke von normalem Fuß, Plattfuß und Hohlfuß nebeneinander

Die Infografik zeigt den nassen Fußabdruck bei normalem Fuß, Plattfuß und Hohlfuß im direkten Vergleich.

Welche Beschwerden verursachen Plattfüße?

Viele Plattfüße bleiben beschwerdefrei. Wenn Symptome auftreten, sitzen sie meist im Bereich des abgesunkenen Gewölbes, an der Innenseite von Fuß und Knöchel oder in der Ferse. Typisch sind ein Ziehen nach längerem Stehen, schnelle Ermüdung der Füße und ein rascher, einseitiger Abrieb der Schuhsohle. Auch Knie, Hüfte und Rücken können mitbetroffen sein, weil sich die Belastungslinie des Beins verschiebt.

Ob überhaupt Beschwerden entstehen, hängt weniger vom Aussehen des Fußes ab als von seiner Funktion. Ein flacher, aber gut bemuskelter und beweglicher Fuß macht oft keine Probleme, während ein steifer oder überlasteter Fuß eher schmerzt. Deshalb ist nicht jeder Plattfuß behandlungsbedürftig, entscheidend sind Schmerz, Beweglichkeit und Belastbarkeit im Alltag.

Der NHS rät, ärztlichen Rat zu suchen, wenn die Füße „schmerzhaft, steif, schwach oder taub“ sind, wenn häufig Fuß- oder Knöchelverletzungen auftreten oder wenn nur ein Fuß betroffen ist. Weil eine Fehlstellung des Fußes bis ins Knie ausstrahlen kann, lohnt ein Blick auf den Zusammenhang von Knieproblemen durch Fußfehlstellung.

Was sind die Ursachen von Plattfüßen?

Plattfüße haben je nach Alter unterschiedliche Ursachen. Bei Kindern ist das flache Gewölbe meist normal und wächst sich aus, bei Erwachsenen steckt oft eine Überlastung oder Schwäche der stützenden Sehne dahinter. Man unterscheidet daher grob zwischen dem angeborenen, flexiblen Plattfuß und dem erworbenen Plattfuß im Erwachsenenalter.

Bei kleinen Kindern ist ein flacher Fuß Teil der normalen Entwicklung. Laut OrthoInfo „wachsen die meisten Kinder aus dem flexiblen Plattfuß heraus“, und das Fußgewölbe bildet sich in der Regel bis zum Alter von etwa fünf Jahren oder später aus. Solange der Fuß beweglich bleibt und nicht schmerzt, ist keine Behandlung nötig.

Beim Erwachsenen ist die häufigste Ursache eine geschwächte oder gerissene hintere Schienbeinsehne (posteriore Tibialissehne). Die Fachgesellschaft AAOS erklärt, „die Hauptfunktion der Sehne ist es, das Fußgewölbe zu halten und den Fuß beim Gehen zu stützen“, und „eine Funktionsstörung dieser Sehne ist eines der Hauptprobleme, die zur Entwicklung eines Plattfußes beitragen“. Übergewicht, Diabetes und langes Stehen erhöhen das Risiko.

FormWer ist betroffenMerkmalBehandlungsbedarf
Flexibler Plattfuß (kindlich)KinderGewölbe kehrt im Zehenstand zurückMeist keiner, wächst sich aus
Erworbener PlattfußErwachseneSehnenschwäche, Gewölbe sinkt langsam abEinlagen, Übungen, ärztliche Kontrolle
Starrer PlattfußJedes AlterFuß bleibt immer flachImmer ärztlich abklären
Nasser Fußabdruck auf trockenem Boden, der beim Plattfuß die ganze Sohle zeigt

Welche Übungen und Hilfsmittel helfen bei Plattfüßen?

Bei beschwerdefreien Plattfüßen ist keine Behandlung nötig. Machen sich Schmerzen bemerkbar, zielt die Behandlung darauf, den Fuß zu stützen, die Muskulatur zu kräftigen und die Belastung besser zu verteilen. Dazu gehören stützende Einlagen, kräftigende Übungen und passendes Schuhwerk, oft in Kombination. Diese Maßnahmen können Beschwerden lindern, sie formen den Fuß aber nicht um.

Der NHS ist hier ehrlich: Einlagen, weite Schuhe und Dehnübungen „ändern nicht die Form Ihrer Füße, können aber bei Dingen wie Schmerzen oder Steifheit helfen“. Für den erworbenen Plattfuß nennt OrthoInfo Einlagen als „die häufigste nicht-operative Behandlung eines Plattfußes“ und ergänzt, dass „Physiotherapie, die die Sehne kräftigt, bei leichten Beschwerden helfen kann“.

  • Fußgymnastik: Handtuch mit den Zehen greifen, auf Zehenspitzen wippen, den kurzen Fußmuskel bewusst anspannen (Kurzfußübung).
  • Dehnung: Wade und Achillessehne regelmäßig dehnen, da eine verkürzte Wade das Gewölbe zusätzlich belastet.
  • Einlagen: Stützen das Längsgewölbe und verteilen den Druck gleichmäßiger auf die Sohle.
  • Schuhwerk: Weite, feste Schuhe mit niedrigem Absatz und guter Fersenführung.

Dass stützende Einlagen die Druckverteilung messbar verändern, zeigt eine im Fachjournal veröffentlichte Untersuchung: Laut dieser Studie senken Einlagen mit Gewölbestütze den Spitzendruck an der inneren Ferse und vergrößern die Kontaktfläche im Mittelfuß, verteilen die Last also auf eine größere Fläche. Welche Übungen bei Schmerzen im Gewölbe konkret helfen, lesen Sie im Ratgeber zu Schmerzen im Fußgewölbe.

Person führt barfuß eine Fußgymnastikübung aus und greift ein Handtuch mit den Zehen

Wie wirken sich Plattfüße auf Knie, Hüfte und Rücken aus?

Der Fuß steht am Anfang einer Kette, die über Knie und Hüfte bis zum Rücken reicht. Sinkt das Gewölbe ab, kippt die Ferse häufig nach innen, und der Unterschenkel dreht leicht mit. Diese Verschiebung der Belastungslinie kann sich als Zug oder Schmerz weiter oben bemerkbar machen, auch wenn der Fuß selbst kaum wehtut.

Typisch ist ein vermehrter Druck auf die Innenseite des Knies, weil das Bein bei jedem Schritt leicht nach innen einknickt (Knickfuß-Komponente). Über Monate kann das Reizungen an Knie und Hüfte begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, einen schmerzhaften Plattfuß nicht isoliert zu betrachten, sondern die ganze Beinachse im Blick zu behalten. Stützende Einlagen richten die Ferse auf und können so auch die Belastung von Knie und Hüfte etwas ausgleichen.

Gerade bei Menschen, die viel stehen oder gehen, summiert sich diese Fehlbelastung. Wer den Zusammenhang versteht, erkennt, warum ein gut gestützter Fuß nicht nur den Füßen, sondern der gesamten unteren Körperhälfte zugutekommt. Fußgymnastik und passende Einlagen setzen genau an dieser Stelle an.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Plattfüße an sich sind meist harmlos, doch bestimmte Zeichen gehören abgeklärt. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn die Füße schmerzen, steif, schwach oder taub sind, wenn Sie häufig umknicken oder Verletzungen an Fuß und Knöchel haben, wenn Gehen oder Gleichgewicht Probleme machen oder wenn ein Plattfuß neu und plötzlich entsteht.

Besondere Vorsicht gilt, wenn nur ein Fuß betroffen ist oder ein bislang normales Gewölbe im Erwachsenenalter langsam absinkt. Das kann auf eine Schädigung der hinteren Schienbeinsehne hinweisen, die früh behandelt besser verläuft. Eine Orthopädin oder ein Orthopäde kann den Fuß untersuchen, die Ursache einordnen und passende Einlagen verordnen.

Häufig gestellte Fragen

Sind Plattfüße gefährlich?

In den allermeisten Fällen nicht. Viele Menschen mit Plattfüßen haben nie Beschwerden und können uneingeschränkt Sport treiben. Erst wenn Schmerzen, Steifheit oder eine fortschreitende Fehlstellung dazukommen, ist eine Behandlung sinnvoll. Ein neu und einseitig auftretender Plattfuß im Erwachsenenalter sollte allerdings ärztlich untersucht werden.

Kann man Plattfüße wieder loswerden?

Bei Kindern verschwindet der flexible Plattfuß oft von selbst mit dem Wachstum. Beim Erwachsenen lässt sich die Fußform meist nicht mehr umkehren, wohl aber die Beschwerden lindern. Einlagen, kräftigende Übungen und gutes Schuhwerk stützen den Fuß und entlasten ihn, verändern aber die Form nicht. Ziel ist ein schmerzfreier, belastbarer Fuß.

Helfen Einlagen bei Plattfüßen wirklich?

Ja, bei Beschwerden. Einlagen mit Gewölbestütze verteilen den Druck gleichmäßiger und entlasten das abgesunkene Gewölbe, was Schmerzen und Ermüdung mindern kann. Sie sind laut Fachgesellschaften die häufigste nicht-operative Maßnahme. Wichtig ist, dass sie zum Fuß passen, deshalb sind eine Fußvermessung und gegebenenfalls eine ärztliche Verordnung sinnvoll.

Welche Übungen stärken das Fußgewölbe?

Bewährt sind die Kurzfußübung, bei der man den Fuß aktiv verkürzt und das Gewölbe anhebt, das Greifen eines Handtuchs mit den Zehen und das Wippen auf die Zehenspitzen. Ergänzend hält das Dehnen von Wade und Achillessehne den Fuß beweglich. Regelmäßig ausgeführt kräftigen diese Übungen die stützende Muskulatur.

Kurz zusammengefasst

Ein Plattfuß ist ein abgeflachtes Fußgewölbe, das beim Stehen fast vollständig aufliegt. Er ist meist harmlos und braucht keine Behandlung, solange er nicht schmerzt. Erkennen lässt er sich am nassen Fußabdruck und daran, ob das Gewölbe im Zehenstand zurückkehrt. Bei Beschwerden helfen kräftigende Übungen, gutes Schuhwerk und stützende Einlagen, die den Druck besser verteilen, ohne die Fußform zu verändern. Neu auftretende, einseitige oder schmerzhafte Plattfüße gehören ärztlich abgeklärt, vor allem wenn dahinter eine Schwäche der hinteren Schienbeinsehne steckt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Für eine Diagnose und eine auf Ihre Situation abgestimmte Behandlung wenden Sie sich an einen Arzt.

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