Fersenfehlstellung im Varus: erkennen und ausgleichen

Nahaufnahme zweier nackter Fersen von hinten, die beim Stehen leicht nach außen gekippt sind.

Fersenfehlstellung im Varus: erkennen und ausgleichen

Eine Varusstellung der Ferse bedeutet, dass die Ferse gegenüber dem Unterschenkel nach außen gekippt ist, sodass das Körpergewicht beim Gehen auf die Außenkante des Fußes wandert. Der Fuß rollt nach außen ab (Supination), statt gleichmäßig abzufedern. Das Gegenteil ist der Knickfuß, bei dem die Ferse nach innen einknickt.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, was eine Fersenfehlstellung im Varus genau ist, wie Sie sie an Fußabdruck und Schuhsohle erkennen, welche Beschwerden sie auslösen kann und wie Sie die Fehlbelastung mit Einlagen, passendem Schuhwerk und gezielten Übungen ausgleichen.

Was bedeutet eine Varusstellung der Ferse?

Eine Varusstellung (Fersenvarus) beschreibt eine Ferse, die relativ zur Beinachse nach außen gekippt steht. Von hinten betrachtet weicht die Ferse also vom Körper weg, ähnlich einem leichten O-Bein. Die Folge ist eine Supination: Das Gewicht liegt vermehrt auf der Fußaußenkante, und der Fuß dämpft den Aufprall schlechter ab, weil das gesunde Einwärtsrollen fehlt.

Häufig tritt die Varusstellung zusammen mit einem hohen Fußgewölbe auf. Die Cleveland Clinic beschreibt diese Kombination so: „Das Gehen auf Füßen mit hohem Gewölbe verursacht Supination (Unterpronation). Das bedeutet, Sie neigen dazu, auf den Außenseiten Ihrer Füße zu gehen.“ Genau dieses Abrollen über die Außenkante ist das Kennzeichen der Varusstellung.

Wichtig ist der Unterschied zum Knickfuß: Beim Knickfuß (Valgus) knickt die Ferse nach innen und der Fuß sinkt einwärts ein. Beim Varus ist es umgekehrt, die Ferse kippt nach außen und der Fuß bleibt eher steif und hoch. Warum eine funktionierende Dämpfung im Fuß so wichtig ist, lesen Sie im Ratgeber zur Stoßdämpfung im Fuß.

Wie erkenne ich einen Fersenvarus?

Erste Hinweise auf eine Varusstellung geben drei einfache Beobachtungen: die Stellung der Ferse von hinten, das Abnutzungsmuster der Schuhe und der nasse Fußabdruck. Keiner dieser Tests ersetzt eine ärztliche Untersuchung, gemeinsam zeichnen sie aber ein gutes erstes Bild davon, ob Ihr Fuß über die Außenkante abrollt.

Stellen Sie sich barfuß hin und lassen Sie jemanden die Fersen von hinten betrachten. Kippen die Fersen nach außen weg und wirken die Unterschenkel leicht O-förmig, spricht das für eine Varusstellung. Am Schuh verrät sich der Varus durch einen Abrieb, der vor allem an der Außenkante der Sohle und am äußeren Fersenrand liegt. Beim nassen Fußabdruck hinterlässt ein hoher, supinierender Fuß oft nur einen schmalen Streifen, bei dem Vorfuß und Ferse kaum verbunden sind.

Infografik mit drei Spalten, die neutrale Ferse, Varusstellung und Knickfuß mit ihrer typischen Stellung und dem Abrollweg vergleicht.

Die Infografik stellt die Varusstellung dem neutralen Fuß und dem Knickfuß gegenüber und zeigt für jede Variante die typische Fersenstellung und den Abrollweg.

Welche Ursachen hat eine Varusstellung der Ferse?

Eine Varusstellung ist meist angeboren und hängt eng mit der Form des Fußes zusammen: Ein hohes, steifes Fußgewölbe (Hohlfuß) begünstigt die nach außen gekippte Ferse. In vielen Fällen steckt eine erbliche Veranlagung dahinter, seltener eine muskuläre oder neurologische Ursache, die das Gleichgewicht der Fußmuskeln verschiebt.

Bei ausgeprägten oder erst später auftretenden Varusstellungen sollte man an neurologische Grunderkrankungen denken, denn ein zunehmender Hohlfuß mit Fersenvarus kann Hinweis auf ein Nervenleiden sein. Bleibt die Fehlstellung dagegen seit der Kindheit unverändert und beschwerdefrei, handelt es sich meist um eine harmlose Bauform. Der Fußtyp ist also teils angeboren, teils Ergebnis der Muskelbalance zwischen Innen- und Außenseite des Fußes.

Auch erworbene Faktoren spielen mit hinein. Eine verkürzte Wadenmuskulatur, alte Verletzungen am Sprunggelenk oder eine Schwäche der Muskeln, die den Fuß nach innen und außen führen, können das Gleichgewicht am Rückfuß verschieben. Anders als der Knickfuß, der sich im Lauf der Jahre durch Übergewicht und Bindegewebsschwäche verstärken kann, bleibt der steife Fersenvarus über lange Zeit oft stabil. Verändert er sich dennoch spürbar, ist das ein Grund, genauer hinzuschauen.

Welche Beschwerden kann ein Fersenvarus verursachen?

Eine Varusstellung muss nicht wehtun, verändert aber die Belastung im ganzen Bein. Weil das Gewicht dauerhaft auf der Außenkante liegt und die Dämpfung fehlt, entstehen typische Beschwerden an Fußaußenrand, Ferse und Sprunggelenk. Besonders lästig ist die Neigung, mit dem Knöchel nach außen umzuknicken.

Die Cleveland Clinic weist darauf hin, dass ein hoher Rist die Belastung verschiebt: „Das Gehen mit einem hohen Spann belastet andere Teile Ihres Fußes stärker. Das kann Beschwerden und manchmal Verletzungen verursachen.“ Weil der Fuß am Anfang einer Belastungskette aus Knie und Hüfte steht, strahlt eine Fehlbelastung oft weiter nach oben aus. Wie eine Fußfehlstellung bis ins Knie ziehen kann, erklären wir im Ratgeber zu Knieproblemen durch Fußfehlstellung.

MerkmalNeutraler FußVarusstellung (Fersenvarus)
FersenstellungGerade zur BeinachseNach außen gekippt
AbrollenLeichtes EinwärtsrollenRollen über die Außenkante
FußgewölbeNormal ausgeprägtOft hoch, steif
SchuhabriebGleichmäßig, mittigVor allem Außenkante
Typisches RisikoGeringUmknicken, Außenrandschmerz
Nahaufnahme einer Schuhsohle, deren Außenkante stärker abgelaufen ist als der Rest.

Häufig macht sich die Varusstellung zuerst am Fußgewölbe und am Vorfuß bemerkbar, weil das hohe, steife Gewölbe unter dem einseitigen Druck rasch ermüdet. Passende Übungen bei belastetem Gewölbe finden Sie im Ratgeber zu Schmerzen im Fußgewölbe.

Was hilft bei einer Varusstellung der Ferse?

Solange keine Beschwerden bestehen, muss eine Varusstellung nicht behandelt werden. Machen sich Schmerzen oder häufiges Umknicken bemerkbar, zielt die Behandlung darauf, das Gewicht von der Außenkante weg zu verteilen, den Fuß zu stützen und die Muskulatur zu kräftigen. Bewährt haben sich stützende Einlagen, passendes Schuhwerk und gezielte Fußgymnastik, oft in Kombination.

Einlagen spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie den Druck gleichmäßiger auf die Sohle verteilen. Eine Untersuchung zur Wirkung von Einlagen beim schmerzhaften Hohlfuß hält fest, dass die „Umverteilung des Fußsohlendrucks einen signifikanten Effekt auf die Schmerzlinderung“ hatte, weshalb maßgefertigte Einlagen als wirksame Behandlungsoption gelten. Auch der NHS nennt für Fehlstellungen des Fußes „Einlagen zur Unterstützung Ihrer Füße“ als eine der Optionen, über die ein Fußspezialist beraten kann.

  • Einlagen: Stützen die Außenkante ab und verteilen den Druck gleichmäßiger über die ganze Sohle.
  • Schuhwahl: Gut gedämpfte, flexible Schuhe federn den fehlenden Stoßdämpfer des Fußes ein Stück weit auf.
  • Kräftigung: Übungen für die Wadenaußenseite und die Fußmuskeln stabilisieren das Sprunggelenk gegen das Umknicken.
  • Dehnung: Regelmäßiges Dehnen von Wade und Fußsohle hält den steifen Fuß beweglicher.

Bei der Kräftigung lohnt der Blick auf die Muskeln an der Außenseite des Unterschenkels, die den Fuß gegen das Wegkippen sichern. Wippen auf einem Bein, langsames Auf- und Abrollen über die Fußkante und das Balancieren auf einer weichen Unterlage trainieren genau die Reflexe, die vor dem Umknicken schützen. Solche Übungen brauchen keine Geräte und lassen sich gut in den Alltag einbauen, etwa beim Zähneputzen.

Varusstellung bei Kindern und Erwachsenen: was ist normal?

Bei kleinen Kindern ist eine leichte O-Bein-Stellung mit nach außen wirkender Ferse in den ersten Lebensjahren völlig normal und wächst sich meist von selbst aus. Erst wenn eine deutliche Varusstellung bestehen bleibt, stärker wird oder nur ein Bein betrifft, ist eine kinderorthopädische Abklärung sinnvoll.

Bei Erwachsenen ist eine schon lange bestehende, gleichbleibende Varusstellung in der Regel eine harmlose Bauform, die vor allem beim Sport oder bei langem Stehen Beachtung verdient. Entscheidend ist weniger, wie die Ferse aussieht, als ob der Fuß beschwerdefrei belastbar bleibt. Kommen Schmerzen, Instabilität oder wiederholtes Umknicken hinzu, ist das der Zeitpunkt, aktiv gegenzusteuern.

Eine orthopädische Einlage wird in einen Sportschuh mit herausnehmbarer Innensohle eingesetzt.

Wichtig ist eine ehrliche Erwartung: Einlagen, Schuhe und Übungen können die Belastung ausgleichen und Beschwerden lindern, sie formen die Ferse aber nicht dauerhaft um. Bei ausgeprägten oder schmerzhaften Varusstellungen lohnt eine genaue Ganganalyse, damit die Einlagen exakt an Ihren Fuß angepasst werden können.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Eine seit Langem unveränderte, beschwerdefreie Varusstellung ist meist harmlos. Ärztlichen Rat sollten Sie aber suchen, wenn Schmerzen am Fußaußenrand, an der Ferse oder am Knöchel auftreten, wenn Sie häufig umknicken, wenn nur ein Fuß betroffen ist oder wenn sich die Fehlstellung im Erwachsenenalter spürbar verstärkt.

Vor allem eine rasch zunehmende Varusstellung mit hohem Gewölbe gehört abgeklärt, weil dahinter eine muskuläre oder neurologische Ursache stecken kann. Eine Orthopädin oder ein Orthopäde untersucht den Fuß, beurteilt das Abrollverhalten und verordnet bei Bedarf passende Einlagen. Je früher die Fehlbelastung erkannt wird, desto einfacher lässt sie sich ausgleichen.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Varusstellung der Ferse gefährlich?

Meist nicht. Viele Menschen mit leichtem Fersenvarus haben nie Beschwerden. Problematisch wird die Stellung erst, wenn die dauerhafte Belastung der Außenkante zu Schmerzen oder häufigem Umknicken führt. Dann helfen stützende Einlagen, gut gedämpfte Schuhe und kräftigende Übungen. Eine plötzlich zunehmende Fehlstellung sollte ärztlich abgeklärt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Varus und Valgus?

Beim Varus kippt die Ferse nach außen, und das Gewicht liegt auf der Fußaußenkante (Supination). Beim Valgus, dem Knickfuß, knickt die Ferse nach innen, und der Fuß sinkt einwärts ein (Überpronation). Varus geht oft mit einem hohen Gewölbe einher, Valgus mit einem abgesunkenen, flachen Gewölbe.

Helfen Einlagen bei einer Varusstellung?

Ja, Einlagen sind eine der wichtigsten Maßnahmen. Sie stützen die Außenkante ab und verteilen den Druck gleichmäßiger, wodurch die Fehlbelastung nachlässt. Bei ausgeprägten Fehlstellungen sind maßgefertigte Einlagen nach einer Ganganalyse sinnvoll. Eine Formveränderung des Fußes bewirken sie aber nicht, sie gleichen die Belastung aus.

Kann man eine Varusstellung wegtrainieren?

Die knöcherne Stellung selbst lässt sich bei Erwachsenen kaum verändern. Gezielte Übungen können aber die stützende Muskulatur kräftigen, das Sprunggelenk stabilisieren und das Umknicken verringern. Ziel ist ein belastbarer, schmerzfreier Fuß, nicht eine perfekt gerade Ferse.

Kurz zusammengefasst

Bei einer Varusstellung ist die Ferse nach außen gekippt, das Gewicht wandert auf die Außenkante, und der Fuß rollt über die Außenseite ab (Supination). Häufig geht das mit einem hohen Gewölbe einher. Erkennen lässt sich der Fersenvarus an der O-förmigen Fersenstellung, am Abrieb der Schuhaußenkante und am schmalen Fußabdruck. Beschwerdefreie Füße brauchen keine Behandlung. Treten Schmerzen am Außenrand oder häufiges Umknicken auf, helfen stützende Einlagen, gut gedämpfte Schuhe und kräftigende Übungen, die die Belastung ausgleichen, ohne die Form des Fußes zu verändern.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Für eine Diagnose und eine auf Ihre Situation abgestimmte Behandlung wenden Sie sich an einen Arzt.

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