Hohlfuß erkennen und entlasten: Ursachen, Anzeichen und Hilfe
Ein Hohlfuß (Pes cavus) ist ein Fuß mit auffällig hohem Längsgewölbe, das sich auch beim Auftreten nicht abflacht. Weil nur Ferse und Vorfuß den Boden berühren, trägt eine kleinere Fläche das ganze Körpergewicht. Das führt zu erhöhtem Druck unter Ballen und Ferse, schlechterer Stoßdämpfung und häufig zu einem instabilen, leicht umknickenden Sprunggelenk.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie einen Hohlfuß erkennen, worin er sich vom normalen Fuß unterscheidet, welche Ursachen und Beschwerden dahinterstecken, wie Sie ihn im Alltag entlasten und wann Sie damit zum Arzt sollten.
Was ist ein Hohlfuß und wie unterscheidet er sich vom normalen Fuß?
Ein Hohlfuß ist das Gegenteil des Plattfußes: Das Längsgewölbe ist zu stark ausgeprägt und bleibt auch unter Last erhöht. Beim normalen Fuß senkt sich das Gewölbe beim Auftreten leicht ab und verteilt das Gewicht gleichmäßig über Ferse, Außenrand und Ballen. Beim Hohlfuß fehlt diese Absenkung, sodass Ferse und Vorfuß fast die gesamte Last tragen.
Die Fachleute der Cleveland Clinic beschreiben es so: „High arches never flatten or touch the ground, even when you’re putting your weight on them.“ Oft steht die Ferse dabei leicht nach innen gekippt, die Zehen krallen sich (Krallenzehen), und der Fuß wirkt insgesamt steifer als ein normaler Fuß. Wie das Fußgewölbe grundsätzlich aufgebaut ist, lesen Sie im Ratgeber zu Schmerzen am Fußgewölbe.
Ein einfacher erster Test ist der Fußabdruck: Stellen Sie sich mit nassen Füßen auf ein Blatt Papier oder eine Fliese. Beim Hohlfuß ist die Verbindung zwischen Ferse und Vorfußballen sehr schmal oder ganz unterbrochen, weil der mittlere Fußrand kaum Boden berührt. Ein Plattfuß hinterlässt dagegen einen fast vollflächigen Abdruck.

Die Infografik zeigt, woran Sie einen Hohlfuß erkennen, welche Beschwerden typisch sind und wie Sie den Fuß entlasten.
Wie erkenne ich einen Hohlfuß?
Einen Hohlfuß erkennen Sie an einem sichtbar hohen Rist, an Krallen- oder Hammerzehen und daran, dass Schuhe vorne und an der Ferse schnell verschleißen. Viele Betroffene knicken häufig mit dem Fuß um, klagen über Druckschmerz unter dem Ballen und finden nur schwer passende Schuhe, weil der hohe Spann drückt. Auch schnell ermüdende, schmerzende Füße sind ein Hinweis.
Typische Anzeichen im Überblick:
- Hoher Spann: Der Rist wölbt sich deutlich nach oben.
- Krallenzehen: Die Zehen sind gebeugt und liegen nicht flach auf.
- Instabiles Sprunggelenk: Der Fuß knickt oft nach außen um.
- Druckstellen: Schwielen unter Ballen und Ferse.
- Schuhverschleiß: Abnutzung vor allem am Außenrand.
Ein leichter Hohlfuß macht oft kaum Beschwerden und fällt nur beim genauen Hinsehen auf. Nehmen die Zeichen zu oder treten sie plötzlich und einseitig auf, sollten Sie den Fuß fachärztlich abklären lassen, denn dahinter kann eine neurologische Ursache stecken.
Wichtig ist auch der Vergleich beider Füße. Legen Sie die Füße nebeneinander und achten Sie auf Unterschiede in Höhe des Spanns, Stellung der Ferse und Beweglichkeit. Ein bereits seit der Kindheit bestehender, beidseitiger Hohlfuß ist meist harmlos, während ein Fuß, der sich erst im Erwachsenenalter oder nur einseitig verändert, genauer beobachtet gehört. Notieren Sie ruhig, wann welche Beschwerden auftreten, das erleichtert später das Gespräch mit dem Arzt.

Welche Ursachen und Beschwerden hat ein Hohlfuß?
Ein Hohlfuß entsteht häufig durch ein muskuläres Ungleichgewicht im Fuß, das oft neurologische Wurzeln hat. Manche Menschen haben ihn anlagebedingt ohne erkennbare Krankheit, bei anderen steckt eine Nerven- oder Muskelerkrankung dahinter. Die Folgen sind vor allem eine schlechte Stoßdämpfung und eine Überlastung von Ballen und Ferse.
Die Cleveland Clinic hält fest: „Neuromuscular disorders are the most common reason for these muscle imbalances“, und nennt unter anderem die erbliche Nervenerkrankung Charcot-Marie-Tooth als typische Ursache. Deshalb ist ein neu aufgetretener oder einseitiger Hohlfuß immer ein Grund, die Nervenfunktion prüfen zu lassen. Ein beidseitiger, seit der Jugend bestehender Hohlfuß ist dagegen oft anlagebedingt.
Weil das Gewicht auf einer kleinen Fläche lastet, entstehen typische Beschwerden. Ein Übersichtsartikel in der medizinischen Datenbank PubMed Central schätzt, dass „60% of people with pes cavus will experience foot pain, such as metatarsalgia, sesamoiditis and plantar heel pain“. Die schlechte Dämpfung kann sich zudem über die Kette nach oben auswirken und Knie, Hüfte und unteren Rücken belasten. Wie Stoßdämpfung im Fuß funktioniert, erklären wir im Beitrag zur Stoßdämpfung im Fuß.
Wie kann ich einen Hohlfuß entlasten?
Einen Hohlfuß entlasten Sie vor allem durch stützende Einlagen, passendes Schuhwerk und gezielte Übungen. Weiche, gepolsterte Einlagen verteilen den Druck von Ballen und Ferse auf eine größere Fläche und dämpfen jeden Schritt. Stabile Schuhe mit Halt am Sprunggelenk verringern das Umknickrisiko, und Dehn- sowie Kräftigungsübungen halten den Fuß beweglich.
Kernstück der Entlastung sind orthopädische Einlagen. Derselbe Übersichtsartikel hält fest, dass eine „redistribution of abnormal plantar pressures“ eine zentrale Aufgabe wirksamer Einlagen ist und die Umverteilung des Drucks „a significant effect on pain relief“ hatte. Anders als beim Plattfuß braucht der Hohlfuß dabei eher Dämpfung und Weichbettung als eine harte Gewölbestütze. Welche Materialien dafür infrage kommen, vergleichen wir im Ratgeber zu Materialunterschieden bei Fußorthesen.
Beim Schuhkauf lohnt sich Sorgfalt. Der NHS rät bei Fußbeschwerden allgemein, „wear shoes with plenty of room for your feet, which have a low heel and soft sole“. Für den hohen Spann des Hohlfußes sind Schuhe mit dehnbarem oder verstellbarem Obermaterial angenehm, damit der Rist nicht eingeengt wird.

Neue Einlagen brauchen eine Eingewöhnung. Tragen Sie sie in den ersten Tagen nur stundenweise und steigern Sie die Tragezeit langsam, damit sich der Fuß an die veränderte Druckverteilung gewöhnt. Anfangs kann sich die Bettung ungewohnt anfühlen; drückt es dagegen an einer festen Stelle oder verstärken sich die Schmerzen, lassen Sie die Einlage anpassen, statt sie zu ertragen.
Ergänzend helfen einfache Übungen für zu Hause: die Wade und die Fußsohle dehnen, mit den Zehen ein Tuch greifen und einen Ball unter der Fußsohle ausrollen. Das lockert die oft verkürzte Plantarfaszie und kräftigt die Fußmuskeln. Die folgende Tabelle ordnet die Maßnahmen nach Ziel.
| Maßnahme | Ziel | Hinweis |
|---|---|---|
| Gepolsterte Einlagen | Druck verteilen, dämpfen | Weichbettung statt harter Stütze |
| Stabile Schuhe | Sprunggelenk sichern | Guter Fersenhalt, dehnbarer Spann |
| Dehnübungen | Wade und Sohle lockern | Täglich, ruhig und ohne Schmerz |
| Kräftigung | Fußmuskeln stärken | Zehengreifen, Ballübungen |
Worauf sollte ich bei Alltag, Sport und Schuhkauf achten?
Im Alltag geht es vor allem darum, die überlasteten Zonen zu schonen und das Sprunggelenk zu sichern. Wechseln Sie zwischen verschiedenen Schuhen, damit nicht immer dieselben Stellen gedrückt werden, und gönnen Sie den Füßen nach langen Steh- oder Gehtagen bewusst Pausen. Wer viel steht, profitiert von zwischenzeitlichem Hinsetzen und kurzem Hochlegen der Füße.
Beim Sport ist die Dämpfung besonders wichtig, weil der Hohlfuß Stöße schlechter abfängt. Laufschuhe für den neutralen bis supinierenden Fußtyp mit weicher Mittelsohle passen meist gut, ein zusätzlicher Halt am Knöchel schützt vor dem Umknicken. Beginnen Sie Belastungen langsam und steigern Sie Umfang und Tempo behutsam, damit sich Sehnen und Muskeln anpassen können.
Beim Schuhkauf lohnt es sich, am späten Nachmittag zu probieren, wenn die Füße etwas breiter sind, und beide Füße zu messen. Achten Sie auf genügend Höhe im Vorderschuh für Krallenzehen und auf einen festen, aber nicht drückenden Fersensitz. Fühlen sich Standardschuhe dauerhaft eng an, sind Modelle mit Wechselfußbett oder ein Fachgeschäft für orthopädische Schuhtechnik die bessere Wahl.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Ein leichter, beschwerdefreier Hohlfuß braucht keine Behandlung. Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn der Fuß häufig schmerzt, Sie regelmäßig umknicken, sich Druckstellen oder Krallenzehen bilden oder Sie kaum noch passende Schuhe finden. Ein Orthopäde kann den Fuß untersuchen und passende Einlagen verordnen.
Besonders wichtig ist die Abklärung, wenn sich der Hohlfuß neu entwickelt, nur an einem Fuß auftritt oder rasch stärker wird. Solche Veränderungen können auf eine neurologische Erkrankung hindeuten und gehören ärztlich untersucht. Auch Taubheit, Kribbeln oder eine spürbare Muskelschwäche im Fuß oder Bein sollten Sie ernst nehmen.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Hohlfuß gefährlich?
Ein anlagebedingter Hohlfuß ist meist ungefährlich und macht oft nur wenig Beschwerden. Er kann aber zu Druckschmerz, Umknicken und Überlastung von Knie und Rücken führen. Entwickelt sich der Hohlfuß neu oder einseitig, sollte eine mögliche neurologische Ursache abgeklärt werden, da hier eine Nervenerkrankung dahinterstecken kann.
Welche Schuhe sind bei Hohlfuß am besten?
Am besten sind stabile Schuhe mit gutem Fersenhalt, einer weichen, dämpfenden Sohle und ausreichend Platz für den hohen Spann. Ein dehnbares oder mit Schnürung verstellbares Obermaterial verhindert, dass der Rist eingeengt wird. Kombiniert mit gepolsterten Einlagen verteilen solche Schuhe den Druck und entlasten Ballen und Ferse.
Helfen Einlagen bei Hohlfuß?
Ja, gut angepasste Einlagen sind die wichtigste Maßnahme. Sie verteilen den Druck von Ballen und Ferse auf eine größere Fläche und verbessern die Dämpfung. Anders als beim Plattfuß braucht der Hohlfuß eher eine weiche Polsterung als eine harte Gewölbestütze. Bei anhaltenden Beschwerden sind vom Orthopäden angepasste Einlagen sinnvoll.
Kann man einen Hohlfuß mit Übungen korrigieren?
Übungen korrigieren die Form eines ausgeprägten Hohlfußes nicht, können aber Beschwerden lindern. Dehnen von Wade und Fußsohle sowie Kräftigung der Fußmuskeln halten den Fuß beweglich und stabil und beugen Verspannungen vor. Bei stark verformten oder fortschreitenden Hohlfüßen sind Einlagen und eine ärztliche Betreuung nötig.
Kurz zusammengefasst
Ein Hohlfuß hat ein zu hohes Längsgewölbe, das sich auch beim Auftreten nicht abflacht. Weil nur Ferse und Vorfuß tragen, entstehen Druckstellen, eine schlechte Stoßdämpfung und ein oft instabiles Sprunggelenk. Erkennen lässt er sich am hohen Spann, an Krallenzehen und am schmalen Fußabdruck. Entlasten können Sie ihn durch gepolsterte Einlagen, stabile Schuhe mit Platz für den Spann und regelmäßige Dehn- und Kräftigungsübungen. Ein neu aufgetretener oder einseitiger Hohlfuß gehört ärztlich abgeklärt, da eine neurologische Ursache dahinterstecken kann.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Für eine Diagnose und eine auf Ihre Situation abgestimmte Behandlung wenden Sie sich an einen Arzt.
